DEUTSCHER INGENIEURTAG 2021 am 20. Mai 2021 Gemeinsam für das 1,5-Grad-Klimaziel

Aufgrund der Corona-Pandemie fand der diesjährige 30. Deutsche Ingenieurtag online statt. Rund 6.000 aktive Teilnehmende trugen dazu bei, dass der Deutsche Ingenieurtag mit seinen insgesamt 24 Breakout Sessions und den Experience Cafés inhaltlich angereichert wurde und ein positives Echo bei den Teilnehmenden erzeugt hat.

Die Eröffnung erfolgte durch Dipl. Wirtsch.-Ing. Ralph Appel, Direktor des VDI e.V. Er betonte nochmals die Relevanz des Themas des Deutschen Ingenieurtags: „Dieses Thema entscheidet darüber, ob die nächsten Generationen noch einen lebenswerten Planeten vorfinden können. Dieses Thema geht uns alle an.“

Anschließend erfolgte das Grußwort der Bundesumweltministerin Svenja Schulze per Video. In Ihrem Grußwort griff Sie die Rolle des VDI bei der Einführung der CO2-Preise auf und verwies auf die Chance und Bedeutung des Wandels.

Es folgten Robert Habeck, Parteivorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und VDI-Präsident Dr.-Ing. Volker Kefer, die sich im Dialog über das Zusammenspiel ihrer Rollen für die Erreichung des 1,5-Grad-Klimaziel einig waren. „Wir geben als Politik die Ziele vor, die Ingenieur*innen schlagen die besten Optionen vor und setzen dann um“, so Habeck. Kefer stellte im Austausch klar, dass der VDI der Politik sehr gerne seine Expertise zur Verfügung stelle: „Wir sind für die Entwicklung technischer Lösungen da.“

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion erörterten Wissenschaft und Industrie die Erreichung des 1,5-Grad-Ziels. Prof. Dr. Mark Lawrence, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor am IASS betonte: „Die Wahrscheinlichkeit das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen sei sehr gering; und Deutschland allein könne das nicht schaffen, aber eine wegweisende Rolle einnehmen! Durch Dr. Frank Mastiaux, CEO von EnBW, wurde festgestellt: „Wenn wir so weiter machen, funktioniert es nicht.“ Donya Amer, Transformatorin bei Bosch, führte aus: „Klimaschutz kostet, aber nichts tun, ist teurer.“ Prof. Dr.-Ing. Harald Bradke, Vorsitzender des Interdisziplinären Gremiums Klimaschutz und Energiewende im VDI, hat als Zukunftswusch, dass alle Energien aus Erneuerbaren stammen und alle Kreisläufe geschlossen sind. Das sei die Zukunft. Auch Dr. Markus Steilemann, CEO bei Covestro, will sein Unternehmen bis 2045 vollständig der Circular Economy verschrieben haben.

Eine ganz andere Perspektive auf den Klimawandel brachte die Astronautin und Klimaforscherin Dr. Insa Thiele-Eich per Videoschaltung ein: „Die Atmosphäre ist ein sehr zerbrechliches Konstrukt. Die Industrialisierung brachte viel Positives, hat aber auch dazu beigetragen, dass wir immer mehr Klimaschutz bzw. Menschenschutz benötigen“. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auf der Erde unterschiedlich und Deutschland trägt dabei eine große Verantwortung „Je privilegierter, desto mehr Verantwortung.“

Es wurden verschiedene Breakout Sessions angeboten, an denen sich mehr als 4.000 Ingenieur*innen, eingebracht, diskutiert und sich neue Impulse geholt haben. Durch die aktive Teilnahme wurde dazu beigetragen, dass der Deutsche Ingenieurtag inhaltlich angereichert wurde und ein positives Echo bei allen Teilnehmenden erzeugt hat.

Es wurden viele spannende und interessante Impulse und Themen behandelt, die auch innerhalb der Mull-Gruppe große Beachtung finden: Engineering for a better tomorrow!

Nachfolgend die durchgeführten Breakout Sessions mit den Hauptinhalten / Kernaussagen

Klimaschutz im Wärmemarkt – Bausteine für eine klimaneutrale Wärmeversorgung
Ohne die Energiewende im Wärmesektor ist 1,5°-Ziel nicht erreichbar, Bestandsgebäude dominieren Wärmebedarf, Steigerung Sanierungsquote auf 4 %!

Industry4Climate
VCI-Roadmap 2050: Vollständigen Dekarbonisierung der Chemischen Industrie durch 7 Mio t grünen Wasserstoff und 600 TWh grünem Strom zu 4ct/KWh, die Stahlindustrie braucht weitere 2,5 Mio. t grünen Wasserstoff und 250 TWh grünen Strom.

Technologies of Life Sciences
Eine ganzheitlich/ökologisch interpretierte Bionik/Biologische Transformation zusammen mit umfassenden Nachhaltigkeitsstrategien ist mehr als wünschenswert. Die Natur als Vorbild – Let it grow!

Gebäude der Zukunft: zirkulär und digital
Großer Anteil des Gebäudesektors am globalen Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen.

Circular Economy in der technischen Gebäudeausrüstung kann durch Recyclierbarkeit, Flexibilität und Schadstofffreiheit zur Problemlösung beitragen. CO2-Optimierte Konstruktionen führen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Strom & Netze
Der Anteil erneuerbarer Energien (EE) am Primärenergieverbrauch muss massiv erhöht werden. Effiziente Nutzung EE z.B. Wärmepumpe & Elektrofahrzeuge (BEV und FCEV). Netze müssen digitalisiert werden

Sektorenkopplung und Power-to-X
Power to Heat notwendig für effizienten Klimabeitrag im Wärmesektor. Globale Wasserstoff-Logistik eine Frage der Kosten. Ammoniak als Wasserstoffträger für Transport über lange Distanzen.

Einhalten des 1,5 Grad-Klimaziels – Utopie oder Chance?
Deutschland hat ab 2019 ein Restbudget von 7,3 GT CO2 zur Verfügung. Um die Klimaschutzziele zu erreichen ist eine Transformation in allen Bereichen (Energiewende, Mobilitätswende und Ernährungswende) notwendig. Alle können etwas tun!

Innovativer Braunkohleausstieg – Überregionale Unterstützung des Wandels (Teil 1 und 2)
VDI-Dialog Innovativer Braunkohleausstieg: Wirkungsvolle Unterstützung und Förderung des zukunftsgerechten Ausstiegs aus der Braunkohle und des fortschrittlichen Wandels aller Regionen

Future Mobility – sustainable and digital
Antriebstechnologien der Zukunft – Was treibt unsere Mobilität der Zukunft an?
Antriebskonzepte für Mobilität werden aktuell in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Industrie diskutiert so auch in dieser Session.

Automatisierter und vernetzter Verkehr
Herausforderungen unserer heutigen Mobilität sind zu lösen für Individualverkehr, den öffentlichen Personennahverkehr sowie die Verteilung von Lieferungen in Städten bis hin zum Güterfernverkehr.

Grüner Wasserstoff, das Gold des Nordens?
Wasserstoffstrategien Deutschland / EU sehen exponentielles Wachstum der Elektrolysekapazitäten vor. Ein großer Anteil der benötigten Wasserstoffmenge wird durch Import abgedeckt werden. Große Herausforderungen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff sind aber lösbar.

VDI Young Engineers >> Triff die Zukunft
Herstellung der zu über 95 % fossil basierten Kunststoffe erzeugt ca. 4% der globalen Klimagasemissionen. Keine 1,5 Grad ohne funktionierende Kreislaufwirtschaftssysteme / Zirkuläre Wertschöpfung. Einsatz von nachhaltigen Rohstoffquellen wie Biomasse

Circular Economy
25 % der globalen Treibhausgasemissionen resultieren aus Materialbereitstellung, Materialbedarf für technologiekritische Metalle steigt weiter. Circular Economy, Innovation und eine intensivere Nutzung machen Materialbestände 1,5°C- kompatibel. Umdenken in Richtung werthaltiger Produkte, Product-as-a-Service sowie „teilen statt besitzen“. Recyclingraten für Kunststoffe und viele Metalle müssen massiv gesteigert werden.

Zum Abschluss des Deutschen Ingenieurtags konnten sich die Teilnehmer in Experience Cafés einloggen, um zu den Themen aus den Breakouts persönlich zu diskutieren und für ein entspanntes, virtuelles Networking mit Gleichgesinnten und Fachleuten.

Links zu Quellen:
https://www.vdi.de/deutscher-ingenieurtag/rueckblick

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit und Projekte und folgen Sie uns:     

#mullundpartner #engineeringforabettertomorrow #DeutscherIngenieurtag2020 #ingenieur #klimaschutz