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Interpretation historischer Luftbilder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs – Sprengbombentrichter

Bei den alliierten Bombardierungen wurden verschiedene Arten von Abwurfmunition eingesetzt, so z. B. Spreng-, Brand-, Splitterbomben und Luftminen.

In einem vorherigen Beitrag wurde schon auf das Thema Sprengbombentrichter, deren Erscheinungsbild und Erkennbarkeit sowie die Nutzung historischer Luftbilder bei der Kampfmittelvorerkundung erläutert. Hier soll nun auf weitere Aspekte zum Thema Sprengbomben eingegangen werden (Wirkungsweise, Bezünderung sowie Bedeutung einer multitemporalen, stereoskopischen Luftbildauswertung).

Primäres Ziel der Sprengbomben ist es, Schäden durch die Sprengwirkung und die Druckwelle zu erzeugen. Die Zünder dieser Bomben können so eingestellt werden, dass sie sofort bei Bodenkontakt explodieren oder erst mit einer Verzögerung von Sekundenbruchteilen. Eine spezielle Art der Bezünderung stellen chemische Langzeitzünder dar, die eine Sprengbombe erst einige Stunden nach dem Abwurf zur Explosion bringen und somit Aufräumarbeiten und Bergungsaktionen nach einem Luftangriff behindern. Sprengbomben mit Langzeitzündern stellen heutzutage bei der Kampfmittelräumung ein besonderes Problem dar, da bei den Blindgängern von außen nicht ersichtlich ist, wie weit der chemische Auslösungsprozess bereits fortgeschritten ist. Diese Blindgänger werden i.d.R. nicht mehr entschärft, sondern direkt kontrolliert gesprengt.

Ein wichtiger Aspekt bei der Erfassung von Sprengbombentrichtern ist die Anwendung digitaler 3D-Technologien mit stereoskopischer Auswertemethoden. Eine stereoskopische Betrachtung von Luftbildpaaren eines Bildfluges erleichtert die Entscheidung, ob es sich bei einem vermeintlich erkannten Trichter tatsächlich um eine Hohl- oder Vollform handelt (z.B. Heumieten oder Bäume). Durch eine monoskopische Betrachtung ist dies oftmals nicht zweifelsfrei möglich. Neben der Möglichkeit einer stereoskopischen Auswertung, ist die Beschaffung von Luftbildpaaren auch im Hinblick auf die Erkennbarkeit von Bildfehlern wichtig. Ohne ein Vergleichsbild aus demselben Bildflug kann oft nur schwer festgestellt werden, ob es sich beispielsweise bei einem hellen Fleck um einen verfüllten Trichter oder einen Bildfehler handelt.

Sind die auszuwertenden Luftbilder direkt nach einem Luftangriff oder wenige Tage später aufgenommen worden, so sind Sprengbombentrichter i.d.R. gut zu erkennen. Je größer der zeitliche Abstand der Luftaufnahmen zu einem Luftangriff ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sprengbombentrichter wieder verfüllt und anderer Kriegsschäden beseitigt wurden. Aus diesem Grund wird darauf geachtet, dass Luftbilder von Befliegungen beschaffen werden, die möglichst zeitnah nach einem Luftangriff durchgeführt wurden. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, im Vorfeld einer Luftbildbeschaffung zu recherchieren, welche Kriegsereignisse im Bereich der auszuwertenden Fläche stattgefunden haben (Luftangriffe, Bodenkämpfe).

Manche im Luftbild erkannte Objekte können nicht immer eindeutig als Kriegsschaden (Bombentrichter, Gebäudeschaden) identifiziert werden. Hier kann ein Abgleich mit Luftbildern aus einer Zeit vor den ersten Luftangriffen hilfreiche Informationen liefern.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass eine multitemporale, stereoskopische Luftbildauswertung ein elementarer Bestandteil einer zuverlässigen Erfassung von kampfmittelverdächtigen Objekten darstellt.

Kriegsluftbilder werden bei Mull und Partner von qualifiziertem Fachpersonal mit langjähriger Erfahrung ausgewertet. Dabei stellt die digitale 3D-Luftbildauswertung einen festen Bestandteil der Projektbearbeitung dar.

Das 1. Bildbeispiel zeigt einen Sprengbombentrichter, der in kurzer Zeit verfüllt wurde und im nachfolgenden Luftbildzeitschnitt nicht mehr erkennbar ist.

Das 2. Bildbeispiel zeigt vermeintliche Sprengbombentrichter, die sich im Vergleich mit einem Folgeluftbild als Bildfehler herausgestellt haben.

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