Treibhausgasemissionen im Abfallsektor

Als Vertragspartei der Klimakonvention und des dazugehörigen Kyoto-Protokolls ist die EU verpflichtet jährlich eine Bestandsaufnahme der Treibhausgasemissionen aller Mitgliedsstaaten zu übermitteln. Diese wird jährlich in einem von der EEA (European Environment Agency) erstellten Inventarreport veröffentlicht (European Union greenhouse gas inventory and inventory report). Übermittelt werden hierbei die Emissionen der sieben wichtigsten Treibhausgase (CO2, CH4, N2O, wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe, perfluorierte Kohlenwasserstoffe, Schwefelhexafluorid und Stickstofftrifluorid) als CO2‑Äquivalent (CO2eq) verteilt auf sechs Sektoren nach Common Reporting Framework (CRF) des Weltklimarates:

  1. Energy
  2. Industrial processes and product use
  3. Agriculture
  4. LULUCF (land use, land use change and forestry)
  5. Waste
  6. Other

Einer dieser Sektoren ist die Abfallwirtschaft. In der Abfallwirtschaft entstehen an unterschiedlichen Stellen Treibhausgasemissionen. Schon bei der Sammlung und dem Transport, der in der Regel mit großen Sammelfahrzeugen durchgeführt wird, entsteht CO2. Auch in der Aufbereitung entstehen zum Beispiel durch Transport- und Sortiermaschinen Treibhausgasemissionen. Diese Emissionen entstehen hier jedoch nicht direkt durch den Prozess der Abfallbehandlung, sondern bei der Erzeugung von Energie für die Geräte, die für die Behandlung notwendig sind. Aus diesem Grund werden diese Emissionen im EEA Inventarreport auch nicht dem Abfallsektor, sondern dem Energiesektor angerechnet. Damit Treibhausgasemissionen nicht doppelt erfasst werden, wird dem Energiesektor ebenfalls die Abfallverbrennung mit dem Ziel der Energiezurückgewinnung zugeordnet.

Neben diesen Treibhausgasemissionen gibt es jedoch auch Emissionen, die bei den bei der Abfallbehandlung ablaufenden Prozessen entstehen und daher dem Abfallsektor angerechnet werden. Hierbei wird in fünf Kategorien unterschieden:

  • a. Solid waste disposal
  • b. Biological treatment of solid waste
  • c. Incineration and open burning
  • d. Wastewater treatment and discharge
  • e. Other

Im Jahr 2018 entfielen 3,3% der gesamten Treibhausgasemissionen ohne LULUCF auf den Abfallsektor. CO2-Emissionen, die beim biologischen Abbau oder bei der Verbrennung von Abfall nicht fossilen Ursprungs entstehen, sind hierbei nicht eingerechnet (klimaneutral). Die Emissionen im Abfallsektor sind seit 1990 um 42,6% von 241 Mt auf 138 Mt im Jahr 2018 gesunken. Die Reduzierung lässt sich zum Großteil auf die Entwicklung der unterschiedlichen Behandlungs- und Beseitigungsmöglichkeiten für Siedlungsabfälle zurückführen. In vielen Mitgliedsstaaten ist der Anteil an deponiertem Abfall gesunken, während es eine Zunahme bei Recycling, Kompostierung, Deponiegasfassung und Abfallverbrennung mit Energiezurückgewinnung gab. Der größte Rückgang der Emissionen im Abfallsektor ist bei den CH4-Emissionen von geordneten Deponien zu verzeichnen. Trotzdem machen diese immer noch 62% der Emissionen im Abfallsektor aus. Insgesamt zeigen die Treibhausgasemissionen im Abfallsektor in den letzten Jahren einen stetig sinkenden Trend, da jedoch viele Mitgliedstaaten mit hohen Emissionen in diesem Sektor diese bereits um mehr als 70% senken konnten und die meisten technischen Möglichkeiten dort bereits ausgeschöpft wurden, ist mit einer Verlangsamung dieses Trends zu rechnen. Trotzdem bleibt das Potential zur Senkung von Treibhausgasemissionen im Abfallsektor weiterhin hoch und es lassen sich mit relativ einfachen Maßnahmen deutliche Verringerungen erzielen.

Literatur:

 

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